Ein Vorschlag, wie ihr den zweiten Kursabend noch besser für euch nutzen könnt:
- Später am Abend – nicht erst am nächsten Tag (das könnt ihr natürlich zusätzlich machen, aber es ist gut, wenn die Eindrücke noch frisch sind) – sucht ihr euch die „beste“ und die „schlechteste“ Zeichnung aus und überlegt, warum ihr euch jeweils für diese entschieden habt. Ich empfehle, neben den emotionalen Gründen auch technische Aspekte zu betrachten. Ihr müsst euch dafür nicht viel Zeit nehmen. So üben wir einerseits, etwas objektiver auf unsere Bilder zu schauen, und lernen andererseits uns selbst besser kennen. Möglicherweise stellt ihr dabei fest, dass euch das „schlechte“ Bild am meisten fasziniert, weil es euch mehr Möglichkeiten gibt, einen inneren Blick in euch selbst zu erhaschen. Das „gute“ Bild kann uns dagegen in Sackgassen führen, besonders wenn es ein Glückstreffer ist und nicht zu unserem gewohnten Repertoire gehört.
- Um Punkt 1 besser vorzubereiten und auch für spätere Nachbetrachtung, empfehle ich, während des Zeichnens oder in den Pausen gelegentlich (nicht dauernd) ganz kurze Notizen, Symbole oder schematische Pfeile zu den Zeichnungen zu setzen. Am Anfang wird sich das sehr ungewohnt, vielleicht sogar peinlich anfühlen und kann uns kurz aus dem Fluss bringen. Mit der Zeit wird diese Art von Notizen jedoch ganz selbstverständlich. Wir wollen uns damit helfen, „schlechte“ Gewohnheiten zu erkennen und an ihnen zu arbeiten. Achtet dabei darauf, die Formulierungen nicht als Vorwurf zu schreiben, sondern eher als Auftrag an euch selbst: zum Beispiel „Nochmal messen“, „Mitte identifizieren“, „Form vereinfachen“, „Linien kontrollieren“, „Schattenform erkennen/erfinden“, „charakteristische Schattenränder erarbeiten“, „Kernschatten und Wurfschatten auseinanderhalten“ und so weiter.
Außerdem lohnt es sich, das Datum und die Länge der Posen auf das Blatt zu schreiben.