Ich merke, dass sich meine Herangehensweise an das Zeichnen und bei der Ausführung ändere. Bei der Ausführung erkläre ich es mir so, dass ich nicht mehr sehr scharf sehen kann und oft “floaters” im Sichtfeld habe. Daher achte ich nicht mehr auf Details und versuche die Eindrücke festzuhalten.
Ich finde, das merkt man besonders bei den Vögel, die ich besonders gerne zeichne und in der Natur gerne beobachte. Licht, und die unterschiedlichen Arten von Schatten, mit scharfen oder weichen Rändern interessieren mich.

Gerne habe ich auch wenig Material dabei, und obwohl ich einsehe, dass es in Bezug auf die Vielfältigkeit bei der Farbwahl praktisch ist, mit einem Aquarellkästchen unterwegs zu sein, bin ich doch lieber mit wenigen Filzstiften, ein paar Buntstiften und einem Bleistift unterwegs. Filzstifte trocken leider in regelmäßigen abständen aus, aber dann greife ich eben zu einer anderen Farbe oder dem Buntstift.

Textur und die Orientierung der Masse versuche ich mit einer geschickten Wahl der der Linienauftragung zu erfassen und abzubilden. Es gibt eigentlich nur selten Ergebnisse, bei der man die Strichführung nicht mehr sieht, denn dann musste man schon ziemlich viel Medium auftragen. Das versuche ich, wenn möglich zu vermeiden, außer ich möchte das bewusst so haben, zum Beispiel im Schatten oder dort, wo ich der Textur oder dem Glanz einfach nicht gewachsen bin.

In Ausstellungen lässt es sich oft in Ruhe zeichnen, und manchmal ist auch dort etwas was mich interessiert. Wenn das so ist, dann recherchiere ich auch vor Ort ein wenig, und schreibe etwas noch zu dem Objekt. Ich finde, rückblickend, die Skizzenseiten mit meiner Handschrift viel interessanter als die ohne Schrift. Aufkleber und Wishy-Washy-Tape [sic!] erhöhen ebenfalls für mich den Spaßfaktor beim späteren Gucken meiner eigenen Zeichnungen.

Im Stehe zeichnen ist nur gut für schnelle Skizzen, ich denke etwa 10 Minuten ist das Maximum für mich. Nach kurzer Zeit beginnen meine Hände zu krampfen, aber im Notfall oder wenn mich das Thema wirklich interessiert, dann kann ich das erdulden. Farbe und Schattierung mache ich dann gerne später, im sitzen, nach Gedächtnis. Meine Skizzen später zu kolorieren, ohne ein Foto oder das Objekt vor mir zu haben ist auch eine interessante Aufgabe, die ich mir gerne stelle und mit der ich mich mittlerweile sehr wohl fühle.

Menschen, Kleidung, Falten und organische Formen interessieren mich. Alles, was irgendwie nur gerade Linien hat und keine interessante Textur ist für mich eine Qual zu zeichnen und daher sollte ich es, so gut wie immer lassen, solche Objekte zu zeichnen. Licht, Dramatik, Rhythmus, Balance, Form und Masse: diese Sachen versuche ich einzufangen. Mal schauen, ob ich etwas mehr Drama in die Zeichnungen bekommen kann.

Einfach am Wegesrand stehen und die Wildpflanzen dort zeichnen, das gefällt mir gut. Dann ist das stehen und halten des Skizzenbuches irgendwie auszuhalten. Das Kolorieren und Kontraste setzen, kann ich dann später erledigen. Ganz in Ruhe, sobald ich irgendwo sitzen kann. Google-Lens ist manchmal hilfreich, beim Erkennen des Gewächses.

Ich bin anscheinen auch nicht ganz alleine bei dieser Faszination mit der Natur und Pflanzen. Das ist auch gut, aber einer Gruppe muss ich nicht deswegen zugeordnet fühlen. Das ist gerade “mein Ding” und das braucht keinen Namen und ich muss dafür keinen “Tribe” zugehörig sein.

Ja, vielleicht kommt mal ein Haus mit in die Skizze, aber wirklich nur angedeutet. Menschen in Szenen müssen auch nicht realistisch wirken. Verspielt und überzeichnet ist zwar auch ziemlich anspruchsvoll hinzubekommen, aber wenn ich einfach loslasse, kommt es schon fast von alleine. Ich habe ja “genug” Menschen gezeichnet, das werde ich dann irgendwie hinbekommen.

Keine Angst davor, mit den unterschiedlichsten Medien in die gleiche Zeichnung zu gehen. Mag es Fineliner (momentan finde ich graue Stifte ganz toll) sein, dann Graphit (passt gut zu dem grauen Fineliner), dann noch Filzstifte und vielleicht noch am Ende ein paar Buntstifte … und wieder Fineliner drüber … und Graphit. Hauptsache Spaß und Dramatik.
Fazit: Dramatik, organische Formen, Balance. Alles erstmal grau aber mit einigen Farbnuancen.