Wie geht es weiter?

Ich merke, dass sich meine Herangehensweise an das Zeichnen und bei der Ausführung ändere. Bei der Ausführung erkläre ich es mir so, dass ich nicht mehr sehr scharf sehen kann und oft “floaters” im Sichtfeld habe. Daher achte ich nicht mehr auf Details und versuche die Eindrücke festzuhalten.

Ich finde, das merkt man besonders bei den Vögel, die ich besonders gerne zeichne und in der Natur gerne beobachte. Licht, und die unterschiedlichen Arten von Schatten, mit scharfen oder weichen Rändern interessieren mich.

Vögel bei Museum König (1)

Gerne habe ich auch wenig Material dabei, und obwohl ich einsehe, dass es in Bezug auf die Vielfältigkeit bei der Farbwahl praktisch ist, mit einem Aquarellkästchen unterwegs zu sein, bin ich doch lieber mit wenigen Filzstiften, ein paar Buntstiften und einem Bleistift unterwegs. Filzstifte trocken leider in regelmäßigen abständen aus, aber dann greife ich eben zu einer anderen Farbe oder dem Buntstift.

Vögel bei Museum König (2)

Textur und die Orientierung der Masse versuche ich mit einer geschickten Wahl der der Linienauftragung zu erfassen und abzubilden. Es gibt eigentlich nur selten Ergebnisse, bei der man die Strichführung nicht mehr sieht, denn dann musste man schon ziemlich viel Medium auftragen. Das versuche ich, wenn möglich zu vermeiden, außer ich möchte das bewusst so haben, zum Beispiel im Schatten oder dort, wo ich der Textur oder dem Glanz einfach nicht gewachsen bin.

Ausstellung bei der Bundeskunsthalle in Bonn

In Ausstellungen lässt es sich oft in Ruhe zeichnen, und manchmal ist auch dort etwas was mich interessiert. Wenn das so ist, dann recherchiere ich auch vor Ort ein wenig, und schreibe etwas noch zu dem Objekt. Ich finde, rückblickend, die Skizzenseiten mit meiner Handschrift viel interessanter als die ohne Schrift. Aufkleber und Wishy-Washy-Tape [sic!] erhöhen ebenfalls für mich den Spaßfaktor beim späteren Gucken meiner eigenen Zeichnungen.

Mathematisches Institut mit Rechenmachinen-Museum (Bonn)

Im Stehe zeichnen ist nur gut für schnelle Skizzen, ich denke etwa 10 Minuten ist das Maximum für mich. Nach kurzer Zeit beginnen meine Hände zu krampfen, aber im Notfall oder wenn mich das Thema wirklich interessiert, dann kann ich das erdulden. Farbe und Schattierung mache ich dann gerne später, im sitzen, nach Gedächtnis. Meine Skizzen später zu kolorieren, ohne ein Foto oder das Objekt vor mir zu haben ist auch eine interessante Aufgabe, die ich mir gerne stelle und mit der ich mich mittlerweile sehr wohl fühle.

Kunsthistorisches Museum, Bonn

Menschen, Kleidung, Falten und organische Formen interessieren mich. Alles, was irgendwie nur gerade Linien hat und keine interessante Textur ist für mich eine Qual zu zeichnen und daher sollte ich es, so gut wie immer lassen, solche Objekte zu zeichnen. Licht, Dramatik, Rhythmus, Balance, Form und Masse: diese Sachen versuche ich einzufangen. Mal schauen, ob ich etwas mehr Drama in die Zeichnungen bekommen kann.

Vegetation, Bonn

Einfach am Wegesrand stehen und die Wildpflanzen dort zeichnen, das gefällt mir gut. Dann ist das stehen und halten des Skizzenbuches irgendwie auszuhalten. Das Kolorieren und Kontraste setzen, kann ich dann später erledigen. Ganz in Ruhe, sobald ich irgendwo sitzen kann. Google-Lens ist manchmal hilfreich, beim Erkennen des Gewächses.

Vegetation, Karlsruhe

Ich bin anscheinen auch nicht ganz alleine bei dieser Faszination mit der Natur und Pflanzen. Das ist auch gut, aber einer Gruppe muss ich nicht deswegen zugeordnet fühlen. Das ist gerade “mein Ding” und das braucht keinen Namen und ich muss dafür keinen “Tribe” zugehörig sein.

Stadtszene mit Bäumen, Durlach (bei Karlsruhe)

Ja, vielleicht kommt mal ein Haus mit in die Skizze, aber wirklich nur angedeutet. Menschen in Szenen müssen auch nicht realistisch wirken. Verspielt und überzeichnet ist zwar auch ziemlich anspruchsvoll hinzubekommen, aber wenn ich einfach loslasse, kommt es schon fast von alleine. Ich habe ja “genug” Menschen gezeichnet, das werde ich dann irgendwie hinbekommen.

Vogel beim Kunsthistorischen Museum in Bonn

Keine Angst davor, mit den unterschiedlichsten Medien in die gleiche Zeichnung zu gehen. Mag es Fineliner (momentan finde ich graue Stifte ganz toll) sein, dann Graphit (passt gut zu dem grauen Fineliner), dann noch Filzstifte und vielleicht noch am Ende ein paar Buntstifte … und wieder Fineliner drüber … und Graphit. Hauptsache Spaß und Dramatik.

Fazit: Dramatik, organische Formen, Balance. Alles erstmal grau aber mit einigen Farbnuancen.

2 thoughts on “Wie geht es weiter?

  1. Christoph's avatar Christoph May 17, 2026 / 8:47 am

    Das ist ein großartiger Text und er trifft für mich an so vielen Stellen absolut zu! Meine Herangehensweise hat sich mit der Zeit auch verändert und es stellt sich klarer heraus, welche Motive und welche Werkzeuge man am liebsten hat.
    Man „erfindet“ auch mit der Zeit so manche Tricks und Methoden! Zum Beispiel: zeichnen ohne Brille. Dann wirst du gezwungen große Formen zu erfassen und hell und dunkel zu erkennen. Keine mini Details und klein-klein. Dann wird automatisch die Zeichnung freier und lockerer.
    Wald, Feld, Natur sind meine Lieblingsthemen. Da ist es nicht so einfach das mit dem „Tribe“ (USK) zu verbinden. Dort ist viel Stadt, gerade Linien, Architektur und Regeln. (USK Manifest). Mal schauen was die Zukunft bringt, der Weg geht immer weiter. Das ist ja gerade das Schöne an der Kunst!

    Liked by 1 person

    • Stuart's avatar Stuart May 17, 2026 / 3:07 pm

      Danke für das Feedback, Christoph. Ich habe den Text einfach abgespult heute morgen. Bin froh, dass es lesbar ist und Sinn macht. Das tolle ist jetzt, dass ich in einem Jahr ein LLM („KI“) bitten kann, meine Ideen und Meinungen zu lesen und mir auch eine Zusammenfassung oder Ratschläge geben kann.

      Liked by 1 person

Leave a comment