Einsamkeit ist kein Persönlichkeitsmerkmal, sondern ein Signal – wie Hunger oder Schmerz.
Dr. Miriam Felsberg, Professorin für Klinische Psychologie und Sozial Neurowissenschaften an der Universität Hamburg.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich zur Zeit an emotionaler Einsamkeit leide. Der erste Schritt ist also gemacht, ich habe mir das eingestanden und habe nicht vor weiter zu “hungern”. Jetzt will ich sehen, dass ich meinen Hunger und insbesondere auch meinen Appetit nach Emotionen hege und pflege.
Eins ist klar, das flüchten in Medien, die einen kurzen aber nur flüchtigen Ersatz für Emotionen liefern, kann nicht so weiter gehen. Dazu gehören das Lesen eines spannenden Romans, bei der ich in den Pausen und am Ende des Buches mir sehr verletzlich und einsam vorkomme. Dazu gehört auch das übermäßige Schauen von Fernseh-Serien und Filmen, da nach dem Ausschalten des Fernsehers, die Welt um mich herum ziemlich grau und leblos wirkt. Dazu gehört der flüchtige Austausch mit Kontakten über Instagram, Facebook und sogar WhatsApp. Jener Austausch ist ohne jegliche emotionale Tiefe.
Ein Sachbuch hingegen wirkt zwar nicht immer belebend, aber gaukelt mir keine Emotionen vor. Die Welt sieht nicht fade oder unbunt aus, wenn ich ein paar Seiten in einem Sachbuch gelesen habe. Manchmal passiert genau das Gegenteil und ich sehe die Welt viel bunter und interessanter. Beim Fernseher bin ich mir noch nicht ganz sicher, was ich jetzt vorhabe. Es gibt Filme und Serien, die ich sehr gerne ein zweites oder drittes mal schaue. Vielleicht kann ich diese “auf kleiner Flamme” (in kleinen Häppchen) weitergucken. Instagram ist auch so eine Sache. Eigentlich macht es schon Sinn, wenn ich dort die wenigen, engen Kontakte weiter pflegen kann (es sind echt nur eine Hand voll), aber echte Emotionen kann man dort nicht empfangen oder senden.
Tägliche Routinen muss ich weiter aufrecht erhalten. Meine morgendliche Gymnastik-Routine werde ich beibehalten (ein Wunder, dass ich das jetzt schon seit einigen Monaten täglich wieder mache). Auch morgens auf den ersten Kaffee verzichten und lieber einen Kräutertee für den Magen, das scheint eine gute Sache zu sein. So merkwürdig es ist, werde ich auch morgens wieder das Album “Confessions” des Musikers Usher hören. Ich habe es schon etwa 500 mal gehört und es ist einfach geil, vielfältig, betörend, ausgleichend und macht mich einfach glücklich. Merkwürdigerweise verpufft dieses Gefühl nicht nach dem Abschalten meiner HiFi-Anlage, also bleibt diese Musik Teil meiner Morgenroutine (vielleicht etwas zum Leidwesen meiner Frau).
Die emotionale Beziehung zu meinen Freunden, engen Kollegen und insbesondere meiner Frau werde ich weiterhin pflegen und versuchen auszubauen. Ich bin offensichtlich jemand mit unsicherem Bindungsstil und narzisstischer Bindungsmuster, was die Sache nicht einfach macht, aber zumindest kann ich versuchen, daran zu arbeiten. In der Partnerbeziehung heißt das für mich, die Nähe suchen, auch Nähe bieten, Zuneigung zeigen und sich über Resonanz freuen.
Jetzt kommt das Thema Skizzieren, Zeichnen und (Aus-)Malen. Was mich oft traurig macht, ist das ich mich frage, warum ich das eigentlich mache. Was ist das denn eigentlich für eine Frage? Auf die Frage erwarte ich dann eine Antwort, die eine Quelle in der materiellen Welt hat. Also sowas wie: um damit später Geld zu verdienen, oder um jemandem damit einen Gefallen zu tun. Um vielleicht Visitenkarten, Aufkleber oder Postkarten daraus zu machen. Vielleicht ein Comic zu gestalten. Aber nein, ich mache das für mein Seelenheil. Ich mache das, weil es mich glücklich macht. Und dabei drifte ich nicht ab und verschwinde in eine Parallelwelt in der irgendwelche unechten Emotionen viel bunter und effektiver wirken als alles was ich derzeit aus der echten Welt bekomme. Oft sehe ich danach die Welt mit anderen Augen und kann dann sogar mal einen Tag oder ein Wochenende ohne das Zeichnen auskommen, weil ich im Gedanken dann sowieso zeichne, designe oder Lösungen für ein darstellerisches Problem ausdenke. Das klappt nicht immer so gut, aber es ist ein Anfang. Besser ist es, einfach zu zeichnen. Auch, und insbesondere, weil ich das eigentlich so gerne mache, nur Menschen oder nur Porträts (siehe oben). Egal wie die dann aussehen. Es ist egal. Ich kann versuchen, nach und nach besser zu werden, aber wenn ich in 2 oder sogar 5 Jahren genauso zeichne wie heute, ist das egal. Entweder wird sich mein Stil entwickeln, oder meine Fertigkeit wird sich weiterentwickeln, oder auch nicht. Basta! Das ist egal.
Am Ende dieses Blogeintrages möchte ich mir empfehlen, eine neue Routine für den Abschluss des Tages vorzunehmen. Eigentlich kenne ich diese Methode, oder dieses Modell schon länger und habe sie auch anderen oft empfohlen, als Mittel, sich selbst besser kennen zu lernen. Habe es aber selbst viel zu selten praktiziert. Es ist auch eine gute Methode, um Momente im Alltag besser wert zu schätzen und sich einer Wohltat zu tun. Am Ende des Tages schreibt man 3 oder mehr Sachen auf, die einem in Erinnerung geblieben sind und einen positiven Eindruck bei einem hinterlassen haben. Das können Farbharmonien sein, Klänge, Bewegungen, Kleidungstücke, Vogelgesang, Falten, Schatten, Erlebnisse, Gedanken, Gespräche, flüchtige Blicke, Kontakte, Gespräche, stille Momente, Glockenläuten oder was weiß ich sein.
Das Schreiben dieser Blogseite hat mir jetzt schon mal geholfen, meine Gedanken zu bündeln. Vielleicht hilft es jemandem anderen auch weiter, vielleicht hilft es mir auch weiter, wenn ich mal am schwächeln bin und mich daran erinnern kann, dass ich diese Seite mal geschrieben habe 😀
